Forscher und Exeperimentator für Kinder

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Martin Schichtel ist promovierter Chemiker, der derzeit wissenschaftlicher Geschäftsführer einer Firma ist, die angewandte Nanotechnologie betreibt und an der Optimierung bzw. der Entwicklung neuer Baustoffe arbeitet. Er ist ausserdem hobbymäßiger Wissensvermittler bei Kindern. Parallel zu seinem Wissenschaftsblog besucht er Grundschulen und arbeitet praktisch mit den Kleinen.



Sein Weg zur Wissenschaft

Das Interesse an den Wissenschaften, insbesondere an den klassischen Naturwissenschaften, wurde bei ihm bereits in der Grundschule geweckt. Seine Lehrerin, Frau Klemm, machte einen hervorragenden Sachunterricht. Parallel dazu war er mit seinen Eltern oft in der Natur unterwegs und wurde von seiner Mutter `unterrichtet´. Dabei ging es aber im Wesentlichen um die Pflanzenwelt rund um seinen Wohnort: Beobachten, Riechen, Schmecken und danach Fragen beantworten. So wurde sein naturwissenschaftliches Verständnis geweckt, ohne dabei experimentell zu arbeiten. `Geistesschulung, könnte man sagen´nennt es Martin. Glücklicherweise hatte er auch ein paar gute Freunde, die auch Spaß an der Wissenschaft hatten und mit denen er nicht selten in einem kleinen Steinbruch Chemielabor spielte. So stand für ihn schon früh fest, dass er den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig im Gymnasium einschlagen wollte. Sein Ziel war schon seit der 8. Klasse: Biologie oder Chemie studieren. Dank seines Chemie-Tutorkurs, entschied er sich für das Chemiestudium. Eine intensivere Vorbereitung auf das Abitur als er, mit nur wenigen Schülern in der Klasse, hatten nur die wenigsten. `Das Tolle war aber, dass wir “begereifend” Lernen konnten´, erinnert sich der Chemiker, `unsere Lehrerin hat uns die Experimente unter Anleitung durchführen lassen´.

Ich habe meine Ziele erreicht und doch kam Manches anders

Martins Ziel Chemiker zu werden ist erreicht und die Promotion abgeschlossen. Eigentlich wollte er aber Biochemiker werden, ist aber in der anorganischen Chemie gelandet. `Der Weg war eher zufallsdominiert als geplant´erklärt er. Im Vordiplom hatte er sich auf die Organik spezialisiert und danach auch zunächst diese Richtung eingeschlagen (in Praktikas und Vertiefungsarbeiten). Eines Tages hörte er aber, dass am Insitut für Neue Materialien (inm-gmbh.de) Hilfswissenschaftler gesucht werden. Er bewarb sich und wurde genommen. `Leider´, so der Wissenschaftler, `hat es mich dort in die Abteilung Keramik verschlagen, genauer gesagt in die Pulversynthese´. Die dortigen Wissenschaftler entwickelten neue Wege zur Herstellung und Modifzizierung von Nanopartikeln. Dies hatte zwar fast nichts mehr mit Organik zu tun, war aber 1993 doch eine Zukunftstechnologie mit viel Potential. Die Arbeiten waren für ihn sehr interessant und das interdisziplinäre Umfeld schaffte eine ideale Arbeitsumgebung. Er schloss daher seine Diplomarbeit und auch seine Doktorarbeit dort ab. Seit diesem Zeitpunkt beschäftigt er sich mit der praktischen Anwendung von Nanotechnologie. Der Organik ist er in sofern treu geblieben, als dass die Oberflächenmodifizierung der Partikel oder auch der Einbau in polymere Matrizes, durchaus von diesem Wissen profitiert.

Deine größte wissenschaftliche Errungenschaft?

Martin gibt hier zwei Antworten. Eine betrifft seinen Beruf, als Entwickler neuartiger Bauwerkstoffe, die andere sein Hobby die Naturwissenschaften Kindern näherzubringen und verständlich zu machen.
In seinem Beruf ist es ihm durch einen bestimmten Kniff gelungen eine neue Bindemittelklasse (Ersatz von Zement in Beton oder Silikaten in Beschichtungen) zu entwickeln. Ursprünglich war die Einstellung, dass man aus den Phosphaten erst ab 121°C Schichten herstellen kann. `Durch unseren Kniff wurde diese Temperatur auf eine Mindestfilmbildungstemperatur von 5°C heruntergesetzt´, berichtet er. Diese neuen Phosphatbinder erfordern eine andere Chemie und sind quasi ein Analogon zur Silizium-basierten Sol-Gel Chemie.
Parallel zum Beruf hat er sich ein Hobby aufgebaut. `Ich habe gelernt, die Sprache der Wissenschaft in Alltagsworte zu packen, so dass sie selbst für einen 6-jährigen verständlich ist´erklärt er. Die Wissenschaften, vor allem die Grundlagen dazu sollten seiner Meinung nach jedermann zugänglich sein. Daher müssten `Wissenschaftler´auch gleichzeitig als Übersetzter dienen, um ihre Ergebnisse für alle interessant zu machen und auch Menschen, die sich normalerweise gar nicht an solche Thematiken heranwagen, für die Wissenschaften zu begeistern.
Auf seiner Homepage sind Experimente für Kinder dargestellt mit Hilfe derer sie spielerisch die Welt entdecken und beforschen können.

Errungenschaften der Wissenschaft

Für Martin ist die Elektrizität eine der wichtigsten Errungenschaften. `Ohne dieses Medium wären moderne Wissenschaften und Technologien erst gar nicht möglich´, fügt er hinzu.

Grosse Wissenschaftler

Schichtel will keinen einzelnen Wissenschaftler als den Grössten benennen, da es viele bewundernswerte Wissenschaftler gibt. `Ich glaube aber, das Aristoteles, der ja auch die Grundlagen zur Wissenschaftstheorie gelegt hat, alle nachkommenden Wissenschaftler maßgeblich beeinflusst hat´fügt er hinzu.

Seine Frage an die Wissenschaft

`Gibt es in der Menschheit ein kollektives Bewußtsein und wenn ja, wie läßt es sich nutzen?´, fragt sich Martin.

Benennen

`Das Internet´, zitiert der Chemiker. Es ist in aller Munde, wird täglich benutzt und die Mehrheit versteht es. Aber eine Namensidee hat er spontan nicht.

Die andere Wissenschaft

Die Wissenschaft, vor allem die bestehenden Arbeitsmethodiken seien wirklich gut. Das Manko liege darin, dass es zuviel Expertenwissen gibt und zu wenige Menschen, die dieses Wissen sinnvoll transferieren können. Dies betreffe den Weg von der Forschung zur Technik oder auch nur von einem Fachgebiet zum nächsten. Ein besserer Transfer könnte Kollegen anderer Disizplinen das Arbeiten erleichtern oder ihnen sinnvolle Theorien/Experimente liefern, die schneller und sicherer zum Ziel führen könnten. Sein zweiter Kritikpunkt ist die Sprache der Wissenschaft. `Früher hatte jede Sparte Ihre eigene Sprache um die Geheimnisse geheim zu halten´, so der Chemiker. Heute sollte die Wissenschaft seiner Meinung nach aber zum Wohle der Menschheit und somit zum Wohle aller eingesetzt werden. `Eine gemeinsame Sprache, vielleicht auch eine, die von Externen verstanden werden kann, wäre an der Stelle hilfreich´fasst er zusammen.

Die Wissenschaft der Zukunft

Martin stellt sich eine Art transparente Wissenschaft vor in der Vernetzung und Kommunikation besser funktioniert.
`In vielen Projekten arbeiten bereits heute Forschungsgruppen auf internationaler Ebene zusammen, aber eben wiederum nur die Experten´bemängelt er. Ein Fachfremder oder auch ein Wissenschaftler, der kein Experte ist, könnten diesen Projekten aber wertvolle Anstöße geben, da sie die Problematik aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen würden. Ein schönes bildliches Beispiel sei die Anamorphose. `Aus einem bestimmten Blickwinkel ergibt sich ein sinnvoller Bildzusammenhang´, erklärt er, ` aus vielen anderen aber nicht´. Er fragt sich, warum nur die Experten den richtigen Blick haben sollten.

Fehler der Wissenschaft

Für ihn ist der größte Fehler in der Wissenschaft der, dass viele Entwicklungen erst zu Kriegs- oder Krisenzeiten gemacht werden. Plötzlich seien Forschungsgelder für die unglaublichsten Projekte vorhanden, deren Ergebnisse erst Jahre oder Jahrzehnte später den Menschen im zivilen Leben zu Gute kämen.

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